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In vier bis sechs Wochen zum eigenen Entwicklerteam: Interview mit Andreas Ganswindt, Nearshore Consultant, Ciklum
Von redaktion | 12.Juli 2010

Mitte Juni lud die Firma Ciklum zur Pressereise
in die Ukraine. Das Unternehmen aus Kiew be-
schäftigt mittlerweile ungefähr 900 Mitarbeiter und bietet Software-Entwicklungsleistungen unter anderem auch für Unternehmen aus dem Software-as-a-Service (SaaS) oder Cloud Computing Bereich. Im Rahmen des Besuchs des Ciklum-Headquarters stand uns Andreas Ganswindt, Nearshore Consultant Germany von Ciklum für ein Interview zur Verfügung.
Frage: Die Firma Ciklum ist ein Anbieter von Nearshoring-Services aus der Ukraine. Stellen Sie uns das Unternehmen doch bitte etwas näher vor.
Andreas Ganswindt: Ciklum ermöglicht es sowohl ISVs, digitalen Agenturen, Markplatzbetreibern als auch Beratungshäusern mit dem Schwerpunkt Software ein eigenes Software Entwicklungsteam in der Ukraine aufzubauen und langfristig zu betreiben. Derzeit arbeiten über 100 westeuropäische Unternehmen auf Basis dieses Modells, einige seit Unternehmensgründung im Jahre 2002. Mittlerweile hat Ciklum ca. 900 Mitarbeiter und ist in den vier größten Städten der Ukraine vertreten. Es gehört damit zu den Top 3 IT-Unternehmen in Ukraine.
Frage: Mit dem steigenden Interesse an Software-as-a-Service-Lösungen steigt natürlich auch der Bedarf auf Software-Herstellerseite, seine Lösung(en) für dieses Geschäftsmodell entsprechend zu entwickeln. Welche Dienstleistungen bieten Sie diesen Herstellern an?
Andreas Ganswindt: Für Software-Hersteller, gerade im SaaS–Umfeld ist es wichtig, schnell ein kompetentes Team aufzubauen. Wir helfen diesen Unternehmen, binnen vier bis sechs Wochen ein eigenes Team aufzubauen.
Sollte es nötig sein, die eigene SaaS-Applikation auch noch für die mobile Welt verfügbar zu machen, so helfen wir auch hier mit unserem sogenannten „Projekt Office“. Ciklum übernimmt die Implementierung und Verantwortung, um z.B. die Anwendung auf dem iPhone oder auf einem Blackberry lauffähig zu machen. Damit können Projekte, die außerhalb der SaaS-Kernapplikation liegen, auch flexibel übernommen werden.
Frage: Können Sie auch Softwareherstellern helfen, die bereits eine fertige Lösung besitzen und diese nun für den webbasierten Einsatz im Rahmen eines SaaS-Angebots „umbauen“ möchten?
Andreas Ganswindt: Dafür bieten sich zwei Möglichkeiten an: Erstens lässt sich im Rahmen eines Festpreisprojektes der „Umbau“ durchführen. Hierbei würde Ciklum selber die Projektleitung und die Verantwortung übernehmen. Möglichkeit Nummer zwei: Es könnte zielführend sein, dies als Startschuss für den Aufbau eines eigenen Teams zu sehen, das fortlaufend die SaaS-Applikation weiterentwickelt und betreut. Für dieses Szenario recherchieren wir mit unseren 18 Recruiting-Consultants aus dem ukrainischen Arbeitsmarkt genau die Fachkräfte, die dauerhaft und ausschließlich für diesen Kunden arbeiten.
Frage: Das Thema Offshoring sorgte in jüngster Vergangenheit für Schlagzeilen. Berichte über unmenschliche Arbeitsbedingungen und ihre Konsequenzen bei chinesischen Herstellern von Mobilgeräten, Nachrichten über rasch steigende Gehälter im IT-Bereich in Indien, die den Kostenvorteil für westliche Auftraggeber rasch zusammenschmelzen lassen. Wie schlägt sich die Ukraine in diesem Zusammenhang und wie reagiert Ciklum auf diese Meldungen?
Andreas Ganswindt: Software Entwickler in der Ukraine sind privilegiert, was Einkommen und Status angeht, denn es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es dort sehr gute Entwickler gibt, ganz egal ob es sich um PHP, Java, oder um Microsoft .NET handelt. Darüber hinaus wird das Gehalt des Entwicklers in unserem Modell von unseren Kunden selber bestimmt – Ciklum erteilt hier nur einen Ratschlag. Die Mitarbeiter nehmen sich als Teil des beauftragenden Unternehmens wahr, was sehr wichtig für den nachhaltigen Erfolg und niedrige Fluktuation ist.
Was den Preisvergleich zur östlichen „Konkurrenz“ betrifft, so gilt sicher – wenn auch nicht mehr in dem Maße wie noch vor einigen Jahren -: „Je östlicher, desto billiger!“ Doch gerade im Bereich Software-Entwicklung spielen Preis-/Leistungsverhältnis und Qualität und Kundennähe eine sehr große Rolle und da sehen wir uns mit Ciklum und dem Standort Ukraine bestens positioniert.
Frage: Viele Unternehmen kämpfen noch immer mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Welche Auswirkungen hatte die Krise auf den Nearshoring-Markt in der Ukraine und Ciklum und welche Hilfe kann Ihr Unternehmen krisengeschüttelten Unternehmen bieten?
Andreas Ganswindt: Die offiziellen Zahlen für die Softwarebranche werden vom Verband erst im September veröffentlicht, bisher wissen wir nur, dass die ukrainische Wirtschaft im Krisenjahr 2009 um 15% geschrumpft ist. Ciklum hat z.B. den Umsatz im Krisenjahr 2009 „nur“ um 16% gesteigert, wohingegen die Wachstumsraten seit 2002 von bis zu 100% lagen. Wir haben auch festgestellt, dass einige kleinere Unternehmen, die Krise nicht überlebt haben.
Für krisengeschüttelte Unternehmen ist Ciklum eine Möglichkeit in Ihrer Softwareentwicklung signifikant Kosten einzusparen, ohne dabei Qualitätseinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Darüber hinaus ist unser Modell nach „oben und unten“ schnell skalierbar: Ein eigenes Kundenteam aufzubauen dauert ca. vier bis sechs Wochen, Vertragslaufzeiten haben wir keine; es gibt lediglich eine Kündigungsfrist von 30 Tagen. Das wirtschaftliche Risiko ist also überschaubar.
Frage: Welche Rolle werden Nearshoring-Anbieter wie Ciklum in Zukunft im Bereich Software-as-a-Service und/oder Cloud Computing spielen? Ist beispielsweise die Entwicklung eigener Lösungen geplant? Welche Bedeutung spielen dabei der westeuropäische und insbesondere der deutschsprachige Markt?
Andreas Ganswindt: In erster Linie ist es die Aufgabe von Ciklum die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit 120 Kunden ihre Lösungen mit ihren eigenen Teams entwickeln können. Da Ciklum auch Organisator und Förderer von Camps in der Ukraine ist, unterstützen wir die Technologien, die sich am Markt durchsetzen, also auch SaaS, Cloudbasierte Applikationen, aber auch iPhone, Ruby on Rails oder Flex.
Intern arbeiten wir schon lange auf Basis von SaaS-Applikationen, z.B. nutzen unsere Kunden vermehrt die Software Development Collaboration-Plattform des Herstellers Atlassian. Andere Kunden betreiben ihre Lösungen in den Clouds von z.B. Amazon.
Vielen Dank für das Gespräch!
In einem Video-Interview mit VentureTV geht Ciklum-Gründer Torben Majgaard insbesondere auf die Entstehungsgeschichte des Unternehmens und seine zukünftige Ausrichtung ein.
Video-Interview mit Torben Majgaard, CEO Ciklum Kiew
Topics: Hintergrund, News | 1 Kommentar »






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12.Juli 2010 um 14:10
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