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Internationale Studie: Die Zukunft der Arbeit
Von redaktion | 8.Juni 2010

The Future Foundation und Google Enterprise stellten gestern in München eine Studie vor, die den Einfluss neuer Technologien auf Arbeitsprozesse, Arbeitsplätze und Unternehmen untersuchte. Im Rahmen der Studie beschäftigte sich The Future Foundation im Auftrag von Google Enterprise mit den Auswirkungen neuer Technologien auf Unternehmen und Mitarbeiter im nächsten Jahrzehnt. Befragt wurden 3.500 Arbeitnehmer — darunter IT- und Personal-Manager — sowie 13 Innovationsexperten aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und den USA.
Unternehmen sehen einem Jahrzehnt großer Veränderungen entgegen: Webbasierte Technologien erreichen den Arbeitsplatz und beeinflussen Arbeitsprozesse nachhaltig. Neue Formen der Zusammenarbeit entstehen. Kollegen sind besser vernetzt, arbeiten simultan und kreieren gemeinsam und effizienter neue Ideen. Doch sind Unternehmen so ausgestattet, wie ihre Mitarbeiter es sich wünschen? Jeder Dritte Beschäftigte in Deutschland glaubt, dass sein Arbeitgeber unzureichend in IT investiert. Und 38 Prozent (44 Prozent länderübergreifend) verwenden privat eine bessere Technologie als im Büro. Dabei liegt die Korrelation zwischen Zusammenarbeit und Innovation bei 81 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt eine internationale Studie des Think Tank Future Foundation im Auftrag von Google Enterprise. Die Studie untersucht, wie Unternehmen webbasierte Technologien einsetzen, ob sie ihr Innovationspotenzial ausschöpfen und welche Auswirkungen die neuen Technologien im nächsten Jahrzehnt auf Arbeitsprozesse haben.
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Neue Technologien unterstützen Ideenfindung und wirtschaftlichen Erfolg
- Mehrheit der Angestellten bemängelt technologische Ausstattung am Arbeitsplatz
- Hohe Diskrepanz zwischen privat und beruflich genutzter Technologie
- Mangelnde Weitsicht und fehlende Investitionen bremsen technologischen Fortschritt
- Finanzielle Belohnung fördert Innovation, fehlende Bonussysteme hemmen Motivation
- Neue Berufsbilder tragen dem Wandel Rechnung
- Standortunabhängiges und flexibles Arbeiten noch keine Realität
Innovation durch Zusammenarbeit
Die Wechselbeziehung von Zusammenarbeit und Innovation belegt: Je mehr Mitarbeiter zusammenarbeiten, umso besser entwickeln sie neue Ideen. Insbesondere schätzen die deutschen Angestellten die kollegiale Umgebung: Zwei Drittel arbeiten lieber in einem Team (59 Prozent länderübergreifend). 62 Prozent (54 Prozent länderübergreifend) sagen, dass sie die besten Ideen kreieren, wenn sie sich mit ihren Kollegen austauschen. Und 78 Prozent der Deutschen (71 Prozent länderübergreifend) geben an, regelmäßig proaktiv Ideen zum Unternehmen beizusteuern — sofern sie die Möglichkeit dazu erhalten. Denn dazu fühlt sich gerade einmal jeder Dritte von seinem Arbeitgeber ermutigt (27 Prozent insgesamt).
Technologie-Defizite in Unternehmen
Die Studie zeigt, dass 54 Prozent der deutschen Arbeitnehmer webbasierte Programme bereits kennen. Beruflich nutzen 65 Prozent von ihnen diese Programme und Anwendungen einmal pro Woche. Privat verwenden 77 Prozent der deutschen Befragten die neuen Technologien wöchentlich. Nur 16 Prozent der Befragten fühlen sich derzeit den neuen Technologien nicht gewachsen und assoziieren mit ihnen negative Gefühle wie Frustration, Überforderung oder Nervosität.
Doch Unternehmen hinken hinterher: Nur rund ein Drittel der deutschen IT-Manager glaubt, dass ihr Unternehmen das volle Potenzial in punkto Technologie und webbasierter Tools ausschöpft. Dabei sagen 73 Prozent der Deutschen (70 Prozent länderübergreifend), dass ihnen die neuen Technologien die Arbeit erleichtern, 75 Prozent, dass ihre Arbeit effektiver geworden ist und 70 Prozent, dass sie besser mit ihren Kollegen zusammenarbeiten und interagieren. Zudem gehen Arbeitnehmer, die privat neue Technologien und Social Media-Plattformen nutzen, davon aus, dass Unternehmen ähnliche Tools und virtuelle Arbeitsplätze bereitstellen müssen. Denn zwei Drittel aller Befragten glauben, dass Unternehmen in Zukunft nur mittels zeitgemäßer Technologien die besten Mitarbeiter gewinnen und ihre Produktivität erhalten beziehungsweise steigern können.
Kai Gutzeit, Head of Google Enterprise DACH & Nordics, kommentiert die Studienergebnisse wie folgt: “Online-Zusammenarbeit wird Realität am Arbeitsplatz. Die Studie zeigt, dass die traditionelle Arbeitsweise sich verändert. Auch wenn Herausforderungen zu lösen sind und Bedenken überwunden werden müssen, werden neue Technologien einen großen Einfluss darauf haben, wie Produkte und Dienstleistungen auf den Markt gebracht werden, wie Unternehmen strukturiert sind, welche Berufsbilder sich entwickeln und wie Innovationen honoriert werden. Dies bietet Wettbewerbsvorteile für diejenigen, die diesen Veränderungen gerecht werden und neue Technologien effektiv verwalten und einsetzen.”
Mangelnde Weitsicht bremst technologischen Fortschritt
Doch der Einführung neuer Technologien im Unternehmen stehen Barrieren entgegen: Deutsche IT-Manager sehen einen Mangel an Visionen der Geschäftsleitung (43 Prozent) sowie fehlende Investitionen (42 Prozent) als Hemmnisse. Und auch wenn bereits die Hälfte der deutschen Mitarbeiter, die schon mit Cloud-Programmen gearbeitet haben, angeben, dass webbasierte Zusammenarbeits-Tools ihre Arbeitsweise verändert haben, glaubt die Hälfte (47 Prozent), dass der Zugriff auf soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter Arbeitsprozesse hemmt. Zudem befürchtet die Arbeitnehmerseite in Deutschland erhöhte Anforderungen: So denken 64 Prozent, dass insbesondere ältere Mitarbeiter Probleme mit der Anwendung neuer Technologien haben werden.
Fehlende Bonussysteme hemmen Motivation
Neben der Herausforderung, die richtige Technologie am Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, zeigt die Studie weiter, dass Unternehmen motivierende Anreize für Angestellte schaffen müssen, um neue Ideen zu generieren: So sagen 55 Prozent der befragten deutschen Mitarbeiter, sie würden mehr kreative Ideen beitragen, wenn sie honoriert würden. Die größten Impulse sind finanzielle Belohnung (45 Prozent) und die Anerkennung ihrer Leistungen (38 Prozent).
Es besteht jedoch insgesamt eine große Diskrepanz zwischen den existierenden Systemen für die Innovationsförderung und der entsprechenden Belohnung. So sagt jeder Vierte aller befragten Arbeitnehmer, seine Firma biete entsprechende Anreize, aber weniger als ein Fünftel hat Bonusregelungen zur direkten Belohnung von Ideen. Diese Diskrepanz einzugrenzen, ist der Schlüssel, um zukünftiges Innovationspotenzial zu erschließen.
Neue Berufsbilder tragen dem Wandel Rechnung
Laut Studie wirken sich die neuen Technologien auch auf die Funktionen von HR- und IT-Division aus. “Offenere Innovation” und die Einbindung von internen wie externen Ideen –beispielsweise von Kunden und Freien Mitarbeitern — in Prozesse, lässt neue Berufsbezeichnungen entstehen: So fördert beispielsweise ein “Chief Ideas Officer” Innovationen und Ideen als Quelle von Wettbewerbsfähigkeit und motiviert Mitarbeiter. Ein “Innovation President” verantwortet und ermöglicht Innovation und Zusammenarbeit mittels der passenden, von Angestellten benötigten Technologie. Human Relations und IT rücken enger zusammen, um Prozesse zu maximieren und die Wechselwirkung von Technologie und menschlicher Interaktion besser verstehen zu können: Ein Drittel der deutschen Befragten glaubt, dass CIOs in Zukunft mehr Verantwortung für Innovationen übernehmen müssen. Und 40 Prozent der deutschen HR-Mitarbeiter denken, dass sie künftig Entwicklungsmöglichkeiten und neue Lohnstrukturen finden müssen, um Innovation besser zu fördern. Länderübergreifend sagen 34 Prozent der HR-Mitarbeiter, dass sie ganz neue Fähigkeiten erlernen müssen, um das Gefühl für die “Corporate Community” zu fördern.
Standortunabhängiges und flexibles Arbeiten ist in Deutschland noch nicht Realität
Des Weiteren belegt die Studie, dass flexibles Arbeiten oder sogenannte Telearbeit noch nicht in den Unternehmen angekommen ist — obwohl webbasierte Zusammenarbeits-Tools ein standortunabhängiges Arbeiten ermöglichen und Telearbeit in den vergangenen Jahren zugenommen hat. In Deutschland fühlen sich lediglich 15 Prozent der Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber ermutigt, von überall zu arbeiten. In den USA und Großbritannien arbeitet bereits jeder Dritte beziehungsweise jeder Vierte von zu Hause aus. Auch glauben 73 Prozent der HR-Manager in Deutschland, dass flexibles Arbeiten die Produktivität erhöht. Doch 55 Prozent der deutschen Befragten (58 Prozent insgesamt) sind zuversichtlich, dass ihr Arbeitgeber in Zukunft individuell angepasstes Arbeiten ermöglichen wird. Martin Spilker, Director ‘Unternehmenskultur in globaler Verantwortung’ bei der Bertelsmann Stiftung, betont: “Arbeitgeber werden die Vorstellung aufgeben müssen, dass die physische Anwesenheit eines Angestellten ein Indikator für seine Leistung ist.”
Jedoch müssen Unternehmen ihre flexiblen und von überall arbeitenden Angestellten in einer zunehmend vernetzten Welt auch davor schützen, stets verfügbar zu sein und sich zu überarbeiten. Denn 35 Prozent der befragten Arbeitnehmer in Deutschland erwarten, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Leben in den nächsten zehn Jahren verschwimmen. 30 Prozent glauben, dass sie mehr Zeit auf ihre Arbeit verwenden, wenn sie standortunabhängig arbeiten. Und ein Drittel von ihnen äußert, dass sie durch Telearbeit schlechter von der Arbeit abschalten können.
“Kooperative Technologien machen es verführerisch, jederzeit erreichbar zu sein,” kommentiert Martin Spilker. “Traditionelle Tools zur Arbeitszeitregulierung sowie zum Gesundheits-Management werden sich fundamental verändern. Arbeitnehmer übernehmen mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Die Geschäftsführung muss ihre Zuständigkeit für das Wohlergehen der Mitarbeiter neu definieren. Schlüsselfaktoren werden Arbeitsergebnisse wie ‘Deadline – Qualität – Kosten’ sein.”
Topics: Hintergrund, News | Kein Kommentar »






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