Der nächste bitte: Oracle kündigt Cloud-Rechenzentren in Deutschland an

Wochenenden scheinen mittlerweile attraktive Ankündigungstermine für die Eröffnung von Cloud Service-Rechenzentren in Deutschland zu sein. Nachdem vor vierzehn Tagen Microsoft am Wochende erklärt hatte, dass man über eine deutsche Cloud für den Mittelstand mit Datenspeicherung in Deutschland nachdenke, nutzte Oracle das vergangene Wochenende für die Ankündigung, bis Jahresende zwei Rechenzentren in Frankfurt und München eröffnen zu wollen.


“In Deutschland ist Datensicherheit ein besonders sensibles Thema. Die Ankündigung ist ein Zeichen dafür, dass Oracle als US-Unternehmen dem deutschen Markt verbunden bleibt”, erklärte dazu Oracle-Deutschlandchef Jürgen Kunz. Oracle habe zwar Kunden aus Deutschland, die kein Problem damit hätten, ihre Daten im Ausland aufzubewahren. “Es gibt aber auch Kunden mit dem Bedürfnis, die Daten in Deutschland zu speichern, und wir wollen auch ihnen gerecht werden”, sagte Kunz laut einer dpa-Meldung in San Francisco, wo diese Woche die Oracle OpenWorld 2014 stattfindet. Rivalität mit dem deutschen Unternehmenssoftware-Spezialisten SAP habe bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt, so Kunz in der Mitteilung.

Wie mittlerweile in einer Oracle Presseerklärung bekannt gegeben wurde, werden über die beiden neuen deutschen Rechenzentren die Oracle Cloud Services Oracle HCM Cloud, Oracle Sales Cloud, Oracle Service Cloud und Oracle Talent Management Cloud angeboten werden. Co-Location-Partner werden Interxion und Equinix sein.

salesforce.com machte den Anfang

Fast schon in Vergessenheit geraten ist dabei die Ankündigung, dass auch der Cloud-Pionier salesforce.com ein Rechenzentrum in Deutschland plant. Vielleicht lag dies aber auch daran, dass das Unternehmen für die Ankündigung nicht ein Wochenende, sondern ausgerechnet den 1. April nutzte. Im Juli legte salesforce.com dann auch mit der Ankündigung nach, die eigene Cloud-Lösung Salesforce1 aus der T-Systems Cloud anzubieten.

Rechenzentrum in Deutschland – reicht das?

Die Hintergründe für die immer häufiger werdenden Ankündigungen amerikanischer Cloud Service Provider liegen auf der Hand: Die Snowden-Enthüllungen rund um NSA und PRISM haben wohl dazu geführt, dass gerade deutsche Unternehmen wieder größere Vorbehalte gegenüber Cloud Services haben, insbesondere wenn diese dazu führen, dass die Daten außerhalb Deutschland gespeichert werden. Das deutsche Bundesdatenschutzgesetz gehört zu den weltweit strengsten Vorschriften und fordert hohe Anforderungen für Cloud Computing-Angebote.

Allerdings scheint es derzeit fraglich, ob das Eröffnen eines Rechenzentrums in Deutschland ausreicht, um die Datenschutzbedenken deutscher Anwenderunternehmen zu zerstreuen. Denn amerikanische Vorschriften wie beispielsweise der “Patriot Act” greifen auch auf Daten zu, die außerhalb der USA gespeichert sind, wenn der Betreiber ein amerikanisches Unternehmen ist. Dass diese Vorschriften auch in der Praxis Anwendung finden, zeigt der aktuelle Streit von Microsoft gegen ein amerikanisches Gericht, das die Herausgabe von Nutzerdaten fordert, die in einem Microsoft-Rechenzentrum in Dublin gespeichert sind. Das Gericht würde sicher auch auf der Herausgabe bestehen, wenn das Rechenzentrum – wie jetzt von Oracle geplant – in Frankfurt oder München liegt. Denn der bereits 2001 als Antwort auf die Anschläge vom 11. September verabschiedete Patriot Act erlaubt staatlichen Stellen und Gerichten in den USA die Durchsuchung von Servern von ausländischen Tochterunternehmen von US-Firmen, auch wenn lokale Gesetze dies untersagen.




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