Interview zur weltweiten Avanade Cloud Computing-Studie: Heiko Leicht im Gespräch

Letzte Woche stellten wir im SaaS-Forum die Ergebnisse der weltweiten Cloud Computing-Studie des IT-Dienstleistungsunternehmens Avanade vor und kündigten bereits bei dieser Gelegenheit an, dass uns Heiko Leicht, Service Line Lead Technology Infrastructure bei Avanade Deutschland, bei der Veröffentlichung der Studienergebnisse für ein Gespräch zur Verfügung stand. Im Gespräch ging es insbesondere um die auf den deutschen Markt herunter gebrochenen Ergebnise der Befragung und dabei unter anderem auch um die bereits an anderer Stelle thematisierte “German Angst”.

Frage: Es wurden insgesamt mehr als 570 CIOs befragt. Wie hoch war der Anteil deutscher Studien-Teilnehmer?

Heiko Leicht: In allen teilnehmenden Ländern wurde eine ungefähr gleich große Anzahl an IT-Leitern befragt. Die Erhebung kann also sowohl auf Grund ihrer Gesamtgröße als auch ihrer Verteilung als statistisch signifikant und repräsentativ eingestuft werden.

Frage: Können Sie etwas zur Größe der in Deutschland befragten Unternehmen sagen?

Heiko Leicht: Etwa 80 Prozent der Befragten arbeiten in Unternehmen mit 250 bis 500 Mitarbeitern, das restliche Fünftel stammt aus Unternehmen, die weniger oder auch mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen. Was das für Cloud Computing bereits heute ausgegebene Jahresbudget betrifft, gaben nur acht Prozent der Unternehmen an, die bereits Cloud Computing-Lösungen einsetzen, dass ihr Budget unter 50.000 US-Dollar liegt, bei 44 Prozent der Befragten liegt das jährliche Budget zwischen 200.000 und 750.000 US-Dollar, wiederum acht Prozent der Unternehmen geben heute bereits mehr als 2.000.000 US-Dollar im Jahr für Cloud Computing aus.

Frage: Ist die „German Angst“ in Bezug auf Verfügbarkeit wirklich eine „GERMAN Angst“? Wie sehen die Zahlen bezüglich der Cloud Computing-Bedenken in anderen Ländern aus?

Heiko Leicht: In Bezug auf die „German Angst“ ergeben sich aus der Studie in der Tat interessante Ergebnisse. So gaben – wie in der Pressemeldung zur Studie veröffentlicht – 63 Prozent Sicherheitsbedenken beim Einsatz von Cloud Computing-Lösungen an. Dieser Wert liegt zwar deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 39 Prozent, betrachtet man sich aber einzelne Länder, so fällt das Ergebnis ganz anders aus. In Italien äußerten beispielsweise 75 Prozent der Befragten Sicherheitsbedenken, selbst in Großbritannien lag dieser Wert noch bei 71 Prozent! Den insgesamt deutlich niedrigeren gesamteuropäischen Wert „verursachen“ die skandinavischen Länder, in denen Sicherheitsbedenken im Vergleich nur geringfügigso gut wie gar nicht bestehen. Darüber hinaus sollte man berücksichtigen, dass dieser Wert bei unserer letzten Befragung im Jahr 2009 in Deutschland noch bei 80 Prozent lag. Die versachlichte Diskussion der letzten beiden Jahre hat also zu einer Verminderung der Sicherheitsbedenken bei deutschen IT-Verantwortlichen geführt. Fazit: Die Bedenken im Bereich Sicherheit sind nach wie vor da, sie sind stärker ausgeprägt als in anderen Ländern, nehmen aber kontinuierlich ab – und von einer „German Angst“ zu reden, also die Bedenken ausschließlich auf den deutschen Markt zu begrenzen, ist sicher zu kurz gegriffen und wird durch unsere Studie nicht bestätigt.

Frage: Gab es andere signifikante Abweichungen der deutschen Antworten im Vergleich zu anderen Ländern?

Heiko Leicht: Interessant waren die Ergebnisse in Bezug auf die Kommunikation des Themas Cloud Computing im Unternehmen und dessen Umsetzung im operativen Betrieb. Auf der einen Seite muss ja auf C-Level-Ebene eine Cloud Computing-Strategie erarbeitet werden, auf der anderen Seite muss diese dann aber auch über die unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen kommuniziert und umgesetzt werden. Während sich die deutschen Teilnehmer unserer Studie über die Cloud Computing-Strategie des Unternehmens gut informiert fühlten, sahen sie doch Defizite bei der Umsetzung. In vielen anderen an der Studie beteiligten Ländern scheint dies genau umgekehrt zu sein. Dort scheint die Umsetzung geradliniger über die Hierarchien zu erfolgen, während die Kommunikation der Strategie laut Studienteilnehmer verbesserungswürdig ist.

Frage: Die Top 3-Anwendungsbereiche für Cloud Computing sind laut Ihrer Befragung CRM, E-Mail-Messaging und BI. In den Zusatzdokumenten zur Befragung geben die Studienteilnehmer an, dass Security zu ihren Hauptthemen für die nächsten 12 Monate gehört. Bei den Cloud Computing-Themen kommt Security dagegen gar nicht vor. Ist Security aus der Cloud also kein Thema?

Heiko Leicht: Doch! Vor allem in Unternehmen mit nicht-zentralen IT-Abteilungen stellen wir derzeit eine erhöhte Nachfrage nach Security-Strategien aus der Wolke fest, wobei damit in der Regel die „private cloud“ gemeint ist. In anderen Unternehmen wiederum, die ihre IT zentral betreiben, möchten die Verantwortlichen eben gerade nicht mit so einem unternehmenskritischen Bereich wie IT-Security erste Erfahrungen mit Cloud Computing machen, sondern ziehen dazu Themen heran, die weniger unternehmenskritisch sind.

Frage: Zum Themenbereich Cloud Sprawl: Laut Hintergrundinformationen zur Studie sehen sich doch einige CIOs diesem Problem konfrontiert? Können Sie kurz zusammenfassen, wie die Unternehmen laut Ihrer Befragung mit dem „heimlichen Einsatz“ von Cloud Computing-Lösungen umgehen und ergibt sich daraus ein Problem für die weitere Verbreitung von Cloud Computing?

Heiko Leicht: Gerne. In der Studie gaben 64 Prozent der Befragten an, dass ihrer Meinung nach ein unkontrollierter Zugang zu Cloud Computing-Diensten zu einer unüberschaubaren Nutzung und zu höheren Kosten führt. 55 Prozent der Befragten geben an, dass sie Mitarbeiter außerhalb der IT-Abteilung kennen, die Cloud Computing-Dienste „auf eigene Faust“ erworben oder implementiert haben. 36 Prozent der Befragten sagten, dass sie bereits Probleme mit Sicherheitsverstößen bezüglich der Nutzung von Cloud-basierten Lösungen hatten. 64 Prozent hatten hiermit noch keine Probleme. 52 Prozent der Befragten bejahten, dass sie Angestellte durch den Einsatz von Blocking-Technologien davon abhalten, bestimmte Cloud-Services nutzen zu können (E-Mail-Services, Salesforce.com, Streaming Video-Services).

Unser Rat an Unternehmen kann nur lauten, sich in einem ersten Schritt einem Audit zu unterziehen, der die Ist-Situation im Unternehmen klärt und dann eine konkrete Cloud Computing-Strategie (Top-Down/Bottom-Up) zu entwickeln und umzusetzen. So sind die entsprechenden IT-Abteilungen dann in der Lage, den unkontrollierten „Wildwuchs“ an Cloud Services im Unternehmen von vorne herein zu verhindern und dabei dennoch vom kontrollierten Einsatz von Cloud Services zu profitieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

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