Microsoft plant deutsche Cloud, HP will europäischen Datenraum für Cloud Services

Wie mehrere Online-Medien am Wochenende berichteten, denkt Microsoft offenbar über eine speziell für den deutschen Mittelstand konzipierte deutsche Cloud nach. Microsoft-Deutschland Chef Christian Illek erklärte dazu dem Tagesspiegel: “Bei unseren Großkunden erfreuen sich die klassischen Microsoft-Produkte, die in unseren Rechenzentren in Irland oder den Niederlanden betrieben werden, eines immer größeren Zuspruchs. Aber für den deutschen Mittelstand ist das offensichtlich noch nicht gut genug.”


Es gebe laut Illek zwar noch keine endgültige Entscheidung, “aber wir prüfen das derzeit”, so der Deutschland-Chef des Softwareunternehmens. Hintergrund dieser Überlegungen sind sicher die Enthüllungen im Rahmen der NSA-Affäre, bei denen bekannt wurde, dass mehrere amerikanische IT-Unternehmen und Cloud Service Provider den Geheimdiensten wohl Zugang auf Kundendaten gewähren (müssen) (vgl. NSA-Affäre: US-Regierung drohte Yahoo mit Millionenstrafe). Dies führte gerade hier in Deutschland auf Anwenderseite zu großem Misstrauen und Vorbehalten, Cloud Services zu nutzen, insbesondere dann, wenn die Daten im Ausland gespeichert werden.

HP will europäische Cloud

Die Firma Hewlett-Packard will sich dagegen, wie ebenfalls am Wochenende bekannt wurde, für einen gemeinsamen europäischen Datenraum einsetzen. “Wir treten für eine europäische Cloud ein”, sagte HP-Deutschlandchef Heiko Meyer der Nachrichtenagentur dpa. „Wir sollten einen gemeinsamen Datenraum für Europa entwickeln wie den europäischen Wirtschaftsraum.” Auch Vertreter anderer IT-Unternehmen hatten sich bereits für eine solche Cloud-Eurozone stark gemacht. Der ehemalige SAP-Chef Jim Hagemann Snabe forderte schon im vergangenen Jahr europäische Regeln für Datendienste. Ex-Telekom-Chef René Obermann sprach sich für ein sogenanntes “Schengen-Routing” aus – Internet-Dienste, bei denen die Daten auf dem Weg zwischen zwei Punkten in Europa entsprechend auch die europäischen Grenzen nicht verlassen dürfen.

HP geht nun einen Schritt weiter und hat im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon 2020 einen Antrag für ein Projekt namens „Cloud 28+“ eingereicht, Darunter versteht das Unternehmen einen rechtlichen und technologischen Rahmen für Cloud-Dienste in den 28 EU-Mitgliedsländern. Auf dieser Basis will der HP einen gemeinsamen Marktplatz für Cloud-Anwendungen schaffen. Meyer ist überzeugt: “Das wird unseren gemeinsamen Wirtschaftsraum stärken.”

Mit dieser Einschätzung scheint der HP-Deutschlandchef gar nicht so falsch zu liegen. Laut einer Modellrechnung der Firma IDC im Auftrag der EU-Kommission würde ein gemeinsamer europäischer Datenraum den Beitrag von öffentlichen Cloud-Diensten zum Bruttoinlandsprodukt auf 250 Milliarden Euro bis 2020 steigern. Ohne die europäische Cloud läge er dann lediglich bei 88 Milliarden Euro.




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